DAS SCHICKSAL WEBEN

Auf einer Reise durch Marokko habe ich 2017 ein kleines Webatelier „Atelier Tissage“ entdeckt. Berührt von den gleichmäßigen hingebungsvollen und gezielten Bewegungen der Weber, habe ich beschlossen, die Fäden selbst in die Hand zu nehmen und meinen eigenen Stoff daraus zu weben. So sind in zwei Wochen fünf Schals aus Schafwolle entstanden.

Das Weben ist eine der ältesten Handwerkstechniken der Menschheit. In Zeiten der industriellen Massenproduktion und ihren genormten Produkten führt das Weben per Hand zurück zur Individualität. Jeder Arbeitsschritt erfordert Achtsamkeit und Genauigkeit. Der Webstuhl verbindet Dynamik mit Geduld. Gelassen und kraftvoll, nicht zu schnell und nicht zu langsam, gleitet das Webschiffchen von einer Seite zur anderen. Im Atemrhythmus kreuzen sich Fäden und verbinden sich zu einem Gewebe. Kein Stoff gleicht dem nächsten. Kleine Unregelmäßigkeiten machen ihn unverwechselbar, verleihen ihm Lebendigkeit, Ausstrahlung und Charakter.

Nicht umsonst wird das Weben auch als Sinnbild für das Leben selbst verstanden. In vielen Kulturen herrscht das Bild vom Schicksal vor, das in einem bestimmten Muster gewebt ist. Wie vielschichtig das Schicksal sein kann, zeigt der Webstuhl: Jeder Faden ist ein Teil des Ganzen und hat seinen festen Platz. Allein durch seine Farbe und Beschaffenheit setzt der Faden Akzente. Vielleicht ist er sich seiner Wirkung nicht bewusst. Doch spätestens mit Blick auf den gesamten Stoff, wird die Bedeutung des Fadens und seiner Position für das unverwechselbare Muster deutlich.

Dinge mit den Händen herzustellen und dabei ursprüngliche Materialien zu verwenden, führt uns zurück zur Natur. Der Wolle werden häufig schützende Fähigkeiten zugeschrieben, die Kraft spenden und Unheil abwenden. Weiterhin ist Wolle ein Symbol für Wärme und mütterliche Sanftheit.

Schal/ Überwurf: 100 % Schafwolle, 60×180 cm, beige/natur, 59 Euro

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